Kaskoversicherung fürs Motorrad

Die Kaskoversicherung schützt Ihr eigenes Motorrad – anders als die Haftpflicht, die nur für Schäden bei anderen zahlt. Die Teilkasko deckt Diebstahl, Brand, Sturm und Wildunfälle ab, die Vollkasko zusätzlich selbst verschuldete Unfälle und Vandalismus. Wann sich welche Variante lohnt und worauf Sie in den Bedingungen achten sollten.
Geschrieben von
Thomas Schulz

Die Kaskoversicherung für Ihr Motorrad ist eine Fahrzeugversicherung – und damit etwas grundlegend anderes als die Haftpflicht. Die Haftpflicht ist Pflicht und zahlt ausschließlich für Schäden bei anderen. Die Kasko ist freiwillig und zahlt für Schäden an Ihrer eigenen Maschine. Ob sich das lohnt, hängt vor allem am Wert des Motorrads – und daran, welchen Verlust Sie notfalls selbst tragen könnten.

Kurzgefasst: Kasko ist freiwillig, aber oft sinnvoll

  • Die Kaskoversicherung für Motorräder gibt es als Teilkasko und als Vollkasko.
  • Die Teilkasko deckt Schäden, auf die Sie keinen Einfluss haben: Diebstahl, Brand, Sturm, Hagel, Wildunfall, Glasbruch, Marderbiss.
  • Die Vollkasko enthält alle Teilkasko-Leistungen und zusätzlich selbst verschuldete Unfallschäden sowie Vandalismus.
  • Ein vereinbarter Selbstbehalt senkt den Beitrag deutlich, bei beiden Varianten.
  • Ob eine Kasko sinnvoll ist, entscheidet der Einzelfall – vor allem Alter, Wert und Nutzung der Maschine.

Teilkasko oder Vollkasko: der Unterschied

Die Vollkasko ist kein eigenständiger Vertrag neben der Teilkasko, sondern deren Erweiterung. Wer eine Vollkasko abschließt, hat den Teilkasko-Schutz automatisch mit dabei.

Leistungen von Teilkasko und Vollkasko beim Motorrad
Schadensursache Teilkasko Vollkasko
Diebstahl des Motorrads oder fest verbauter Teile
Brand und Explosion
Sturm, Hagel, Blitzschlag, Überschwemmung
Zusammenstoß mit Tieren
Marderbiss und Folgeschäden je nach Tarif je nach Tarif
Glasbruch
Kurzschlussschäden an der Verkabelung
Selbst verschuldeter Unfall
Vandalismus und mutwillige Beschädigung
Schaden durch unbekannten Verursacher
Umkippen im Stand oder beim Rangieren je nach Tarif
Legende: ✔ = grundsätzlich abgedeckt; — = nicht abgedeckt. Der verbindliche Umfang steht in den Bedingungen Ihres Tarifs.
Umkippen ist der Klassiker unter den Streitfällen

Ein Motorrad, das auf dem Parkplatz oder beim Rangieren umfällt, ist der häufigste Kaskoschaden überhaupt – und zugleich der am schlechtesten geregelte. Viele Tarife sehen darin keinen Unfall im Sinne der Bedingungen, weil kein „von außen einwirkendes Ereignis“ vorliegt. Wenn Sie eine schwere Maschine fahren, ist das ein Punkt, den Sie im Bedingungswerk konkret nachlesen sollten.

Wann sich welche Kasko lohnt

Es gibt keine feste Altersgrenze, ab der eine Kasko unwirtschaftlich wird – wohl aber eine einfache Rechengröße: Vergleichen Sie den jährlichen Mehrbeitrag mit dem Betrag, den Sie im Totalschadenfall ersetzt bekämen. Sobald ein paar Jahresbeiträge den Wiederbeschaffungswert erreichen, trägt sich die Kasko wirtschaftlich nicht mehr.

Für eine Kasko spricht
  • Das Motorrad ist neu, hochwertig oder selten
  • Der Kauf ist finanziert oder geleast – dann ist die Vollkasko meist vertraglich vorgeschrieben
  • Ein Totalschaden würde Sie finanziell empfindlich treffen
  • Das Motorrad steht nachts auf der Straße statt in der Garage
  • Sie fahren viel und in dichtem Verkehr

Gegen eine Kasko spricht
  • Die Maschine ist älter und hat einen niedrigen Zeitwert
  • Sie könnten den Wiederbeschaffungswert notfalls selbst aufbringen
  • Das Motorrad wird selten und nur bei gutem Wetter bewegt
  • Der Mehrbeitrag erreicht binnen weniger Jahre den Fahrzeugwert

Für ältere und günstige Maschinen ist die Teilkasko oft der sinnvolle Mittelweg: Sie kostet nur wenig mehr als die reine Haftpflicht, deckt aber genau die Risiken ab, gegen die Sie sich mit Fahrkönnen nicht schützen können – Diebstahl vor allem.

Selbstbeteiligung: der wirksamste Beitragshebel

Mit einer Selbstbeteiligung übernehmen Sie im Schadensfall einen festgelegten Anteil selbst. Im Gegenzug sinkt Ihr Beitrag – und zwar deutlich stärker, als viele erwarten.

Die Logik dahinter: Kleine Schäden sind für Versicherer teuer in der Bearbeitung. Wer sie selbst trägt, entlastet den Versicherer überproportional. Sinnvoll ist ein Selbstbehalt in der Höhe, die Sie jederzeit aus eigenen Mitteln zahlen könnten, ohne dass es weh tut.

Selbstbehalt getrennt wählen

Bei den meisten Versicherern können Sie den Selbstbehalt für Teilkasko und Vollkasko getrennt festlegen. Ein niedriger Teilkasko- und ein höherer Vollkasko-Selbstbehalt ist eine gängige Kombination: Teilkaskoschäden treffen Sie unverschuldet, Vollkaskoschäden haben Sie in der Hand.

Worauf Sie beim Kasko-Vergleich achten sollten

Der Beitrag allein sagt wenig. Diese Punkte entscheiden im Schadensfall über den tatsächlichen Wert Ihres Vertrags:

  • Neupreisentschädigung – erstattet bei jungen Motorrädern den Neupreis statt des Zeitwerts. Prüfen Sie, wie lange nach Erstzulassung sie gilt.
  • Grobe Fahrlässigkeit – verzichtet der Versicherer darauf, die Leistung zu kürzen? In der Kasko ist das noch wichtiger als in der Haftpflicht.
  • Mitversichertes Zubehör – Koffersysteme, Navigation, Sturzbügel, Auspuffanlagen: bis zu welcher Summe sind Anbauteile mitversichert?
  • Schutzkleidung – manche Tarife ersetzen Helm und Kombi nach einem Unfall. Für Motorradfahrer ein realer Geldwert.
  • Diebstahlauflagen – viele Tarife verlangen ein bestimmtes Schloss oder einen abgeschlossenen Stellplatz. Wer die Auflage nicht erfüllt, steht nach einem Diebstahl ohne Leistung da.
  • Werkstattbindung – senkt den Beitrag, schränkt aber die Wahl der Werkstatt ein.

Kasko und Schadenfreiheitsklasse

Ein wichtiger Unterschied zwischen den beiden Kaskoarten: Ein Teilkaskoschaden führt nicht zur Rückstufung Ihrer Schadenfreiheitsklasse – der Beitrag bleibt also stabil, auch wenn Ihnen das Motorrad gestohlen wird. Ein Vollkaskoschaden führt zur Rückstufung, und zwar in einer eigenen Vollkasko-SF-Klasse zusätzlich zur Haftpflicht.

Deshalb lohnt es sich bei kleineren Vollkaskoschäden zu rechnen, ob die Regulierung über mehrere Jahre nicht teurer wird als die Reparatur aus eigener Tasche. Ihr Versicherer nennt Ihnen den Betrag auf Nachfrage.

Häufige Fragen

Zwar handelt es sich sowohl bei der als auch der Fahrzeugversicherung um eine Motorradversicherung, jedoch besteht zwischen beiden ein wichtiger Unterschied: Bei der Haftpflichtversicherung besteht eine Versicherungspflicht, der Gesetzgeber schreibt den Abschluss dieser Versicherung vor, wenn Sie in Deutschland ein Motorrad zulassen. Die Kaskoversicherung für Motorräder ist hingegen freiwillig.

Hintergrund dieser Differenzierung ist, dass Sie als Verkehrsteilnehmer und Halter eines Motorrads in Unfälle verwickelt werden können, die Sie selbst zwar nicht unbedingt verschulden, die Ihrem Unfallgegner allerdings einen erheblichen Schaden an seiner Gesundheit oder an seinem Eigentum zufügen. Die Regulierung solcher Schäden könnte Sie selbst in massive finanzielle Schwierigkeiten bringen. Damit niemand solche Kosten aus eigener Tasche zahlen muss, ist eine Haftpflichtversicherung vom Gesetzgeber zwingend vorgeschrieben, sobald Sie das Motorrad zulassen.

Etwas anders sieht es bei der Kaskoversicherung für Motorräder aus. Natürlich kann Ihrem teuren Motorrad etwas passieren. Bei einem Unfall, den Ihr Unfallgegner verursacht, haftet die gegnerische Haftpflicht für den Schaden. Sie wird ihn regulieren und stellt Sie damit von der Übernahme der Kosten frei. Anders sieht es aus, wenn Sie selbst einen Unfall verursachen, wenn der Unfallgegner Fahrerflucht begeht oder wenn er durch einen Diebstahl oder durch Vandalismus gar nicht erst zu ermitteln ist. In diesem Fall müssten Sie die Kosten für die Schadensbeseitigung an Ihrem Motorrad selbst tragen. Haben Sie eine Fahrzeugversicherung abgeschlossen, kommt diese für die Regulierung des Schadens auf und stellt Sie selbst von den Kosten frei.

Letztlich ist es also eine Sache des Abwägens, ob sich eine Motorrad-Kaskoversicherung rentiert oder ob Sie sich die Kosten sparen und im Zweifel einen Schaden selbst bezahlen werden.

Die Kaskoversicherung unterscheidet sich in eine Vollkaskoversicherung für Motorräder und eine Motorrad-Teilkasko. Die Vollkasko bietet eine Art Rundumschutz. Darin sind vorwiegend Schäden versichert, die durch einen Unfall entstehen, den Sie selbst verursacht haben. Für die Kosten der Beseitigung solcher Schäden kommt die Haftpflicht des Unfallgegners nicht auf. Damit Sie selbst die Auslagen für eine Regulierung nicht zahlen müssen, bietet sich die Motorrad-Vollkasko an. Besonders für Motorräder mit einer hohen Leistung oder für neue, teure Motorräder kommt eine Vollkasko-Motorradversicherung meist als sinnvolle Erweiterung des Versicherungsschutzes infrage.

Wenn Ihr Kraftrad hingegen schon etwas älter ist oder wenn die Maschine kleiner oder nicht hochwertig ist, kann eine Teilkasko-Motorradversicherung genügen. Darin sind Schäden aus einem Diebstahl, aus dem Zusammenstoß mit einem Tier, aus einem Tierbiss, aus Naturgewalten oder aus einem Brand versichert. Diese Schäden sind selbstverständlich auch in der Motorrad-Vollkaskoversicherung abgedeckt, doch sie geht mit der Regulierung von Schäden aus Unfällen eben noch ein wenig weiter. Dafür ist die Teilkasko deutlich günstiger als die Vollkasko. Versichert sind übrigens nicht nur die Teile, die unmittelbar zur Maschine gehören, sondern auch fest verbaute Teile, die im Nachhinein eingefügt wurden und für die das Motorrad zugelassen ist. Anbauten und Halterungen sind versichert, wenn sie dazu geeignet sind, die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen. Ob der Abschluss einer Vollkasko oder einer Teilkasko für Sie sinnvoll ist, sollten Sie immer im Einzelfall prüfen.

Führen Sie unbedingt einen Vergleich für Motorradversicherungen durch, denn die Preise und die Leistungen der Gesellschaften unterscheiden sich enorm. Wenn Sie Ihren Versicherungsschutz clever auswählen, erhalten Sie einen Rundumschutz zu einem attraktiven Preis, während Sie bei einer anderen Gesellschaft unter Umständen erhebliche Abstriche machen müssten.

Unter der Selbstbeteiligung versteht man einen Betrag, den Sie im Fall einer Schadensregulierung aus eigener Tasche zahlen. Dafür senkt der Versicherer im Gegenzug den Preis für Ihren Versicherungsschutz. Mit der Vereinbarung einer Selbstbeteiligung verlagert er also einen Teil des Risikos, dass ein Schaden zu zahlen ist, auf den Versicherungsnehmer. Dafür profitieren Sie von einem erheblichen Nachlass auf den Beitrag.

Wichtig ist, dass Sie den Eigenanteil nur zahlen, sofern Sie einen Schaden über die Versicherung regulieren lassen. Der Versicherer zahlt dann den Schaden abzüglich des vereinbarten Selbstbehalts an die Werkstatt, den Rest müssen Sie selbst tragen. Unterstellt man, dass Sie nicht jedes Jahr einen Schaden zur Regulierung einreichen, sparen Sie langfristig eine hohe Summe an Versicherungsbeiträgen, wenn Sie eine Selbstbeteiligung aushandeln. Lediglich bei einem regulierten Schaden müssen Sie diesen Eigenanteil selbst tragen.

Üblicherweise unterscheiden die Versicherer den Eigenanteil nach Vollkasko, mit einem üblichen Eigenanteil von 300 bis 500 Euro, und Teilkasko, wobei hier ein Anteil von 150 bis 300 Euro üblich ist, und bis auf 500 Euro aufgestockt werden kann. Die Beiträge für Ihren Versicherungsschutz sinken mit der steigenden Eigenbeteiligung. Vereinbaren Sie also einen hohen Selbstbehalt, ist Ihr Versicherungsbeitrag entsprechend niedrig. Denken Sie trotzdem daran, dass Sie den Eigenanteil im Schadensfall selbst zahlen müssen. Deshalb sollte er nur so hoch angesetzt sein, dass Sie ihn sicher zahlen können, ohne sich finanziell zu sehr zu belasten.

Unter der Schadenfreiheitsklasse versteckt sich die Anzahl der schadenfreien Jahre. Wenn Sie Fahranfänger sind und Ihr Motorrad gerade erst zugelassen haben, werden Sie in die Schadenfreiheitsklasse – auch als SF-Klasse bezeichnet – 0 eingetragen. Das liegt daran, dass Sie als Anfänger ein höheres Unfallrisiko haben als ein erfahrener Fahrer. Für jedes Jahr, das Sie ohne Schaden fahren, erhöht der Versicherer Ihre SF-Klasse.

Im Prinzip belohnt der Versicherer Sie durch günstige Versicherungsbeiträge dafür, dass Sie umsichtig fahren und keine Unfälle verursachen oder mindestens keinen Schaden zur Regulierung melden.

Für viele Motorradfahrer ist der Sommer die schönste Zeit des Jahres, denn dann geht es mit dem Zweirad auf weite Touren. Im Winter steigen Sie vielleicht um auf ein Auto und lassen Ihr Zweirad in der Garage stehen. Mit einem Motorrad-Saisonkennzeichen sparen Sie Geld für die Kaskoversicherung und die Motorrad-Steuer. Ein Saisonkennzeichen wird in der Regel für die Zeit von April bis Oktober vergeben, das heißt, Ihr Motorrad ist auch nur in diesem Zeitraum angemeldet. Die Steuer und die Versicherung zahlen Sie ebenfalls nur für diese Phase. Dadurch ist es möglich, die Kosten für Ihr Zweirad deutlich zu verringern und trotzdem im Sommer den Spaß am Fahren zu genießen.

In erster Linie sind der Hubraum und die Schadenfreiheitsklasse ausschlaggebend für die Kosten Ihrer Motorradversicherung. Je höher Ihre Schadenfreiheitsklasse in der Motorrad-Kaskoversicherung ist und je länger Sie unfallfrei fahren, desto günstiger ist Ihr Versicherungsschutz. Der Hubraum wirkt sich ebenfalls auf Ihren Beitrag aus.

Hier gilt der Zusammenhang, dass schnelle Maschinen mit einem großen Hubraum und mehr Leistung auch mehr kosten als kleine Maschinen. Das Alter des jüngsten Fahrers bestimmt ebenfalls die Höhe der Kosten der Motorradversicherung. Je jünger nämlich der Fahrer ist, desto eher geht man von einem erhöhten Unfallrisiko aus. Vor diesem Hintergrund verlangen Versicherer von einem Fahrer bis zu 25 Jahren einen höheren Beitrag, um ihn von Beginn an dem potenziell größeren Unfallrisiko zu beteiligen.

Die Regionalklasse wirkt sich auch auf Ihren Beitrag aus, wobei Sie selbst nur wenig Einfluss nehmen können. Die Regionalklasse richtet sich nach dem Ort der Zulassung Ihres Motorrads. In Zulassungsbezirken mit einer traditionell hohen Schadensquote wie in den Großstädten sind die Beiträge höher als in ländlichen Gebieten.

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